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29.05.2026

Offshore-Wind-Ausbau gerät unter Druck: Offshore-Verband BWO setzt auf gesetzlichen Rückgabemechanismus für blockierte Konzessionen

Berlin/Hamburg - Netzanschlussverzögerungen gefährden Deutschlands Offshore-Windausbau. Nach Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung ist damit zu rechnen, dass TotalEnergies seine deutschen Offshore-Konzessionen zurückgeben will. Der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) fordert gesetzliche Konsequenzen - und legt einen konkreten Lösungsvorschlag vor.

Nach Informationen von NDR und Süddeutscher Zeitung strebt TotalEnergies die Rückgabe seiner deutschen Offshore-Windkonzessionen an und möchte zudem bereits hinterlegte Sicherheitsleistungen zurückerhalten. Auch bei JERA Nex bp, dem Joint Venture von BP und dem japanischen Konzern JERA, verdichten sich die Anzeichen eines Rückzugs. Der BWO reagiert mit einem Vorschlag für einen freiwilligen Rückgabemechanismus, um jahrelange Blockaden von Flächen und Netzkapazitäten zu verhindern.

Strategische Überprüfung bereits im Juni 2025 angekündigt - Rückzug konkretisiert sich
Bereits in seiner Pressemitteilung zur Konzessionsvergabe N-9.4 im Juni 2025 hatte TotalEnergies eine strategische Überprüfung seiner seit 2023 erworbenen deutschen Offshore-Konzessionen angekündigt - damals noch mit dem erklärten Ziel, den Dialog mit deutschen Behörden über mögliche Entwicklungsbedingungen zu suchen. Ein Jahr später hat sich die Lage deutlich zugespitzt. Laut einem internen Diskussionspapier, das NDR und Süddeutscher Zeitung vorliegt, könnten einzelne Projekte aus den Auktionsrunden 2023 bis 2025 voraussichtlich nicht realisiert werden. Als Gründe nennt TotalEnergies Verzögerungen im Netzausbau und veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Das Unternehmen strebt die Rückgabe der Flächen an und möchte zudem die hinterlegte Sicherheitsleistung von 750 Millionen Euro zurückerhalten.

Konkrete Fragen ließ TotalEnergies unbeantwortet. Schriftlich teilte ein Sprecher laut NDR lediglich mit, die Entwicklung der Flächen bleibe Priorität - es handele sich um einen Vorschlag zum Umgang mit den entstandenen Verzögerungen. Auch bei JERA Nex bp verdichten sich laut NDR und Süddeutscher Zeitung die Anzeichen eines Rückzugs: Büros in Berlin und Hamburg sollen sich Brancheninsidern zufolge in Auflösung befinden, in Hamburg sei bereits der Mietvertrag gekündigt. Eine Anfrage an JERA Nex bp blieb ohne Antwort.

Bis zu 50 Milliarden Euro auf dem Spiel
Der finanzielle Rahmen macht die Brisanz deutlich. TotalEnergies hatte 2023 fast sechs Milliarden Euro für Windparkflächen in der deutschen Nord- und Ostsee geboten und 2024 mit fast zwei Milliarden Euro nachgelegt - ein Portfolio von rund 7,5 GW. Bislang hat das Unternehmen zehn Prozent der Gebotssumme bezahlt, rund 800 Millionen Euro, sowie eine Sicherheitsleistung von 750 Millionen Euro hinterlegt. Zwei weitere Flächen mit mehr als 4 GW gingen an das heutige Joint Venture JERA Nex bp. Laut BWO sind in den Ausschreibungsjahren 2023 bis 2025 insgesamt Projekte mit einer Gesamtkapazität von rund 16 GW betroffen. Bei einer Investitionssumme von rund drei Milliarden Euro pro Gigawatt ergibt sich ein Projektvolumen von rund 50 Milliarden Euro allein auf Windparkseite.

Die Folgen eines Ausstiegs wären auch für den Staatshaushalt spürbar: 90 Prozent der Erlöse aus den Offshore-Auktionen sind bereits verplant, um die Netzentgelte und damit die Strompreise zu deckeln. Würden die mehr als sieben Milliarden Euro aus den TotalEnergies-Geboten wegfallen, fehlte dieses Geld an anderer Stelle - mit spürbaren Konsequenzen für den weiteren Netzausbau.

BWO: Freiwillige Rückgabe statt jahrelanger Blockade
Der BWO schlägt einen gesetzlich geregelten Mechanismus vor, der Projektentwicklern eine freiwillige und fristgebundene Rückgabe bezuschlagter Flächen ermöglicht. "Die Bundesregierung hat es versäumt, in den Offshore-Wind-Ausschreibungsregeln eine Rückgabeoption für bezuschlagte Projekte zu schaffen. Zudem hat das bisherige Auktionsdesign Unternehmen erhebliche Risiken aufgebürdet, die sie selbst kaum beeinflussen können - insbesondere bei stark verzögerten Netzanschlüssen", sagt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm. "Es besteht die Gefahr, dass Flächen für bis zu 16 Gigawatt installierter Leistung blockiert werden."

Der BWO-Vorschlag sieht eine Rückgabefrist von vier Wochen nach Inkrafttreten der gesetzlichen Grundlage vor. Zurückgegebene Flächen sollen zügig nach dem neuen Auktionsdesign ab 2027 neu vergeben werden - gegebenenfalls per Sonderausschreibung. Rückgebende Unternehmen dürfen nicht erneut auf dieselben Flächen bieten und müssen Erkenntnisse aus Voruntersuchungen an die Bundesnetzagentur abtreten. Sicherheitsleistungen sollen vollständig zurückerstattet werden, die bereits geleistete Naturschutzkomponente hingegen nicht. "Milliardenprojekte ohne Realisierungschance sind eine reale Gefahr für die Lieferkette. Wir erwarten von der Bundesregierung, diesen Vorschlag der Offshore-Windbranche zügig umzusetzen", so Thimm.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2026


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