13.04.2026
Frankreich schreibt 12.000 MW Erneuerbare Energien aus – 10.000 MW Offshore Windenergie
Paris - Der Ausbau der erneuerbaren Energien gewinnt auch in Frankreich weiter an Dynamik. Die französische Regierung hat neue Ausschreibungen für insgesamt rund 12 Gigawatt (12.000 MW) erneuerbare Energien gestartet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Offshore-Windenergie.
Frankreich verfolgt mit dem Ausbau der Offshore Windenergie einen energie- und industriepolitischen Doppelansatz. Einerseits soll der Anteil erneuerbarer Energien deutlich steigen, andererseits bleibt die Kernenergie ein wichtiger Bestandteil der Stromversorgung. Bei den Erneuerbaren Energien setzt Frankreich einen Schwerpunkt auf den Ausbau der Offshore-Windenergie.
Das neue Ausschreibungsprogramm für erneuerbare Energien der französischen Regierung
Nach Angaben des französischen Wirtschaftsministeriums umfasst das neue Ausschreibungsprogramm rd. 12.000 MW (12 GW) an regenerativer Kraftwerksleistung, darunter Offshore-Windenergievorhaben mit einer Gesamtleistung von rund 10 GW in sieben Entwicklungsgebieten. Weitere Ausschreibungen entfallen auf die Solarenergie (ca. 1.200 MW) und Onshore-Windenergie (ca. 800 MW).
Ziel der Ausschreibungs-Initiative ist es, die Energieunabhängigkeit weiter zu stärken und industrielle Wertschöpfung zunehmend in Europa zu halten. Dabei verfolgt Frankreich ausdrücklich eine industriepolitische Strategie: Künftig sollen sogenannte „Resilienz-Kriterien“ sowie das Prinzip „Made in Europe“ stärker berücksichtigt werden, um die Abhängigkeit von Importen - insbesondere aus China - zu reduzieren. Damit setzt Frankreich seine langfristige Energieplanung um, die einen deutlichen Ausbau der Offshore-Windkraft vorsieht.
Zum Stand der erneuerbaren Energien in Frankreich
Frankreich hat traditionell einen hohen Anteil an Wasserkraft (25.524 MW). Mit Stand vom 01.11.2025 sind in Frankreich Windkraftanlagen mit 25.512 MW, Solaranlagen mit 28.761 MW und Bioenergie-Anlagen mit 2.277 MW installiert. Im Jahr 2025 erreichte die Windstromproduktion in Frankreich rd. 48,5 Mrd. kWh (2024: 45,4 Mrd. kWh). Das ist ein Zuwachs um 6,8 Prozent.
Deutlich kräftiger stieg die Stromerzeugung aus Solarenergie. Mit 30,2 Mrd. kWh Solarstrom wurde der Vorjahreswert (2024: 23,1 Mrd. kWh) um 30,7 Prozent übertroffen. Der hohe Zuwachs an Solarleistung führt zu Zeiten hoher Solareinspeisung derzeit bereits dazu, dass Atomkraftwerke gedrosselt und ihre Leistung flexibel angepasst werden müssen.
Neue Atomkraftwerke in Frankreich nicht vor 2038
Frankreich setzt neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien auf die weitere Nutzung der Atomenergie. Insgesamt sechs neue Atomkraftwerke des Typs EPR2 sind geplant. Nach Angaben des französischen Energieversorgers Électricité de France (EDF) ist der Bau an den Standorten Penly, Gravelines und Bugey geplant. Eine endgültige Investitionsentscheidung ist noch nicht gefallen, wird jedoch für Ende 2026 erwartet.
Nach den bisherigen Planungen ist vorgesehen, dass der erste Reaktor am Standort Penly frühestens 2038 in Betrieb geht. Die weiteren Reaktoren sollen anschließend in Abständen von 12 bis 18 Monaten ans Netz gehen.
Wie bereits im Rahmen des französischen Kernenergiepolitikrats (Conseil de politique nucléaire) im März 2025 angekündigt, wird das Programm durch staatliche Maßnahmen unterstützt, deren Grundprinzipien im Juni 2025 beschlossen und am 19. November 2025 bei der Europäischen Kommission zur Genehmigung eingereicht wurden.
Der Bau der neuen französischen Atomkraftwerke ist nur mit staatlichen Subventionen und Finanzierungsmodellen möglich. Diese staatlichen Maßnahmen reichen laut EDF von einem zinsvergünstigten Kredit, der mindestens 50 Prozent der Baukosten abdeckt, eine 40-jährige Mindestvergütung für den Atomstrom in Form eines Contract for Difference (CfD) zur Stabilisierung der Stromerlöse sowie eine Risikoteilung zwischen dem französischen Staat und EDF.
Quelle: IWR Online
© IWR, 2026
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