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22.02.2021

Spitzenglättung - Entwarnung für Autofahrer zeichnet sich ab

Berlin - Am vergangenen Freitag (19.02.2021) hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ein Spitzentreffen anberaumt, um über Wege zu diskutieren, wie eine kurzfristig auftretende hohe Stromnachfrage im Stromnetz gepuffert werden kann. Gut einen Monat zuvor hatte der Minister den entsprechenden Gesetzentwurf zurückgezogen.

Im Januar hatte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) den Entwurf zum Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz mit dem Verweis, dass es sich lediglich um einen von Vorschlag der Arbeitsebene gehandelt habe, der nicht die Billigung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gefunden habe, wieder zurückgezogen. Die in dem Entwurf vorgesehenen Zwangsladepausen für Elektrofahrzeuge im Rahmen der Spitzenglättung wurden u.a. von den Verbraucherzentralen und der Automobilindustrie scharf kritisiert. Jetzt hat Altmaier zu einem Spitzentreffen geladen, um über Lösungen bei den Themen Elektromobilität und Netzstabilität zu diskutieren.

Spitzentreffen erörtert Lösungen im Streit um Spitzenglättung
Im Zuge der Umsetzung der Energiewende müssen in den nächsten Jahren große Zahlen von neuen Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen in das Energiesystem integriert werden. Dafür müssen die Netze auch in Zukunft intelligent gesteuert werden und die Stabilität der Netze muss gewährleistet sein.

Nachdem Peter Altmaier im Januar den Vorschlag der Arbeitsebene für das Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz (SteuVerG) nach heftiger Kritik einkassiert hatte, hat sich der Bundeswirtschaftsminister am Freitag (19.02.2021) mit Vertreterinnen und Vertretern von Fahrzeugherstellern, Netzbetreibern sowie von Verbänden der Automobil- und Energiewirtschaft, des Verbraucherschutzes und der Elektrotechnikindustrie über die Frage ausgetauscht, wie der Hochlauf der Elektromobilität für die Akteure schnell und verlässlich erfolgen kann und auch die Netzstabilität gewährleistet bleibt. Im Fokus stand die heftig umstrittene und im Gesetzentwurf vorgesehene Spitzenglättung, die es den Netzbetreibern ermöglichen könnte, große Verbraucher wie die Ladestationen für Elektroautos und Wärmepumpe bei drohender Überlastung vom Netz zu nehmen und damit zwangsabzuschalten.

Nach Spitzengespräch zeichnet sich ein Kompromiss ab
Es sei bei dem Treffen gelungen, das Fenster für einen vernünftigen und verbrauchernahen Kompromiss zu öffnen. Dieser können besser als der bisherige Entwurf sicherstellen, dass die Elektromobilität ihn Deutschland eine Erfolgsgeschichte werde, zitiert die Welt am Sonntag die Präsidentin des Automobilverbandes (VDA) Hildegard Müller.

„Private Ladestationen müssen schnell an das Netz angeschlossen werden können, und E-Autofahrerinnen und -fahrer müssen weiterhin sicher sein können, dass ihre Batterie immer genügend Strom laden kann“, signalisiert auch Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) eine Kompromisslösung. In dem Gespräch sei die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten für ein sicheres, nachhaltiges und bezahlbares Energiesystem ebenso deutlich geworden wie die klare Unterstützung für den zwingend notwendigen Hochlauf der Elektromobilität, so Andrea weiter. Die Netzbetreiber wollen die Netze bedarfsgerecht auszubauen. Dafür brauchen sie das Instrument der Spitzenglättung. Das ist auch im Sinne der Stromkunden. Erforderlich sei ein Monitoringprozess, der die Entwicklungen beobachte und aus dem dann erforderliche Anpassungen abgeleitet werden können. Alle eine das Ziel, die E-Mobilität in Deutschland so schnell, so effizient und so verbraucherfreundlich wie möglich voranzubringen, so Andreae weiter.

VKU warnt davor, Prozess neu aufzurollen
Auch der Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen Ingbert Liebing kommt zu einem positiven Fazit über den Termin bei Altmaier, kritisiert aber, dass die von einigen Akteuren in Frage gestellte Spitzenglättung, das Ergebnis eines mehrjährigen transparenten Diskussionsprozesses sei, in dem die notwendigen Gutachten und alle Argumente auf dem Tisch lagen. Es wäre daher ein erheblicher Rückschritt, den Prozess neu aufzurollen, warnt Liebing. „Ohne die Option, Lastspitzen bei einer zeitweiligen Überbeanspruchung des Netzes zu glätten, könne es in ein paar Jahren in einigen Netzgebieten zu erheblichen Verzögerungen beim Anschluss neuer Ladestationen kommen. Mit Spitzenglättung können drei bis viermal mehr Ladestationen kurzfristig angeschlossen und in einen sicheren Netzbetrieb integriert werden“, so Liebing weiter. Entscheidend sei, dass der Gesetzentwurf nicht auf die lange Bank geschoben wird, fordert der VKU-Hauptgeschäftsführer eine Lösung, die noch in dieser Wahlperiode beschlossen wird.

EE-Vertreter nicht eingeladen: Greenpeace Energy fordert transparente Verfahren statt einseitiger Kungel-Runden
Nicht eingeladen zu dem Spitzentreffen waren die Verbände der Regenerativen Energiebranche. Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy kritisiert das scharf: Nun treffe sich der Bundeswirtschaftsminister erneut mit den Lobbyisten der großen Auto- und Energieverbände. Die Vertreterinnen und Vertreter der Erneuerbaren Energien hätten an diesem Tisch aber anscheinend keinen Platz. Wie aber solle die Überarbeitung des Gesetzesentwurfs der Energiewende dienen, wenn deren Befürworter nicht einmal gehört würden, fordert Keiffenheim ein transparentes Verfahren.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2021


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